Gegen Mitternacht landeten wir in Reykjavik im Hotel. Ein herzlicher Empfang folgte, gleich darauf wurden uns die Zimmer zugewiesen. Dort machten wir gleich die erste Erfahrung,  isländischer Eigenschaften :-)

Wie es nach langer Reise üblich ist, begab ich mich unter die Dusche, um mich frisch vom Reisestaub zu machen. Meine Tochter machte es sich inzwischen auf ihrem Bett gemütlich. Die Dusche war nur mit einem Vorhang vom Zimmer getrennt.  Als ich das warme Wasser laufen ließ, fing ich schon an zu Schnuppern, im gleichem Moment rief meine Tochter: " Mum !!! Was machst Du ????? Kannst nicht woanders "DAS" machen ? Wie soll ich nachher hier schlafen ? "

Schnell stellten wir fest, daß das Wasser hier sehr schwefelhaltig ist und der bekannte Schwefelduft uns umhüllte. Wie wir am nächsten Morgen erfuhren, erging es den anderen Reiseteilnehmern nicht anders, wir gewöhnten uns sehr schnell an diesen für uns ungewohnten Umstand. Das Wasser soll zwar Trinkqualität haben, aber darauf verzichteten wir dann doch.

Was mir auf der ganzen Reise besonders gefiel, war die Information, daß Island den größten Kaffeeverbrauch auf der Welt hat. Ich konnte es auch richtig genießen, denn überall wo man einkehrte, stand eine große Thermosflasche Kaffee auf dem Tisch und wurde auch nicht berechnet. Zum Glück war der Kaffee ohne schwefelhaltigem Wasser zubereitet. 

Nach dem ersten Frühstück beginnt unsere Rundreise. Ziel ist der Ort Hella. Dort werden wir die nächsten Nächte übernachten und auf Tagesausflügen die Insel erkunden. Geplant ist auf dieser Tour Thingvellier - Gullfoss- Wasserfälle und Geysire zu besichtigen.
Nun  bekommen wir einen ersten Eindruck von Südisland.

Die Straße, welche wir mit dem Kleinbus befahren, führt zwischen dem Esja - Massiv (909m) , den Bergen Bürfell (782m) und Kjörfull (787m) vorbei.

Eine  karge, wie auch grandiose Gebirgslandschaft erleben wir.

 

Die erste längere Pause wird am Thingvellier Nationalpark eingelegt. Als erstes genießen wir den herrlichen Rundblick. Eine großartige vom Vulkanismus geprägte Natur erschließt sich uns.

Obwohl es nach Aussage des Reiseleiters ein milder und schneearmer Winter war, liegt hier der Schnee noch recht hoch und versperrt den eigentlichen Weg, welcher in die Schlucht führt. Nach einigem Überlegen wagten wir es doch, am Rande und auf schmalen Pfaden entlang der seitlichen Felsen zu pirschen. Teilweise war es sehr glatt und ging seitlich recht tief hinunter, oft nur Platz für die Fußspitzen. Das richtige Schuhwerk hatte fast keiner an, aber durch gegenseitige Hilfe schaffen wir es dann doch alle unversehrt in die Almannagja, die "Allmännerschlucht", anzukommen. Man nennt es Almännerschlucht, weil in ihr alle Männer Islands Platz hatten. Große wichtige Versammlungen wurden und werden auch Heute noch hier abgehalten. 

Als wir den Abstieg geschafft hatten, lag vor uns in einiger Entfernung der größte Binnensee Islands, der Thingvallavatu. Er breitet sich über eine Fläche von 83,7 qkm aus, der Wasserspiegel liegt ca. 103 m über dem Meeresspiegel und als größte Tiefe wurden  114 m gemessen.

Wir befinden uns im Nationalpark, ein Naturschutzgebiet, deshalb ist es nur erlaubt auf den Holzbohlen dieses zu durchwandern.

Es ist schön hier durch die Einsamkeit zu laufen, die herrliche weite Aussicht zu genießen. Obwohl es sehr kalt ist, spüren wir schon wie die Wärme der Sonnenstrahlen unser Gesicht streichelt. 

Auf halben Weg bleiben wir am Althing stehen und gruppieren uns um den Reiseleiter. Aufmerksam lauschen wir was er uns über die historische Bedeutung des Platzes erzählt. 

Ab 930 n. Chr. trat hier das Althing, die höchste Gesetzgebung (gesetzgebende und gesetzsprechende)  Versammlung in der Wikingerzeit zusammen. Es war ein günstiger Tagungsort im Südwesten der Insel. Man hatte genug Wasser, Fische, Weideland und Brennmaterial. Die Schluchten boten sich ideal als Gehege für Pferde und Schlachtvieh an. So konnten die Männer,  während der Versammlungszeit, sich gut selbst versorgen.

Das besondere an diesem Platz ist auch die natürliche Felswand hinter dem Versammlungsplatz. Das Echo der Stimmen wird von dieser Wand aufgenommen und verstärkt, so daß man die Stimme des Redners weit hören kann, ohne daß ein störendes Echo entsteht.

Von 930 bis 1798 tagte hier jedes Jahr im Juni das Parlament der Insel unter freiem Himmel. Auch als das Althing im Jahre 1000 das Christentum annahm, blieben sie bei ihrer Tradition hier die Versammlung abzuhalten.

1930 wurde hier die 1000 - Jahr - Feier begangen und am 17.6.1944 wurde hier die freie Republik ausgerufen.

Auch wenn das Althing längst nach Reykjavik umgezogen ist, finden auch heute noch alle nationalen Ereignisse statt.

eine Seite zurück

zurück zum Inhaltsverzeichnis

weiter zu den Geysiren